Hochbaudepartement der Stadt Zürich - Departementssekretariat

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Preisträger des Prix Balance ZH 2014

 

Laudatio von Markus Assfalg, Leiter der Standortförderung des Kantons Zürich im Amt für Wirtschaft und Arbeit:

Die Zeiten ändern sich – The times they are a changing – 1963 machte der Titel dieses Liedes weltweit Furore. In diesen Jahren hiess es noch im Zivilgesetzbuch: ‚Der Mann ist das Haupt der Familie‘. Gemäss damals vorherrschendem Paradigma bestand die Hauptaufgabe der Frau darin, Kinder zu gebären und zu erziehen; demgemäss habe sie eine natürliche Beziehung zu allem Belebten, Beseelten, als Ganzes Gewachsenem. Im Gegensatz dazu habe der Mann, der berufen sei, die Familie zu beschützen und zu ernähren, eine besondere Beziehung zu den unbelebten Dingen. Über solche damals in allem Ernst öffentlich geäusserten Meinungen mögen die Meisten heute nur noch schmunzeln. In den 60er Jahren begann sich dieses traditionelle Familienbild zu ändern. Die Verbreitung von Kindergärten und modernen Haushaltgeräten wie Waschmaschinen und Wäscheschleudern, entlastete die Frauen bei der Erziehungs- und Hausarbeit. Gesteigerte materielle Ansprüche wie das eigene Haus, ein Auto oder Urlaubsreisen führten dazu, dass auch Frauen vermehrt mit Erwerbstätigkeiten zum Haushalteinkommen beitrugen. Durch das gestiegene Selbstbewusstsein der Frauen und die aufkommende Emanzipationsbewegung suchten immer mehr Frauen unabhängig vom Familieneinkommen nach neuen Aufgaben in der Berufswelt.

Erst 1988 (aber endlich) fiel das Haupt des Mannes als Familienoberhaupt auf dem Schafott einer legislatorischen Änderung, der breite und sehr heftige Auseinandersetzungen vorausgingen. Die Zeiten hatten sich geändert - Times had changed. Zum Glück und zum Gewinn beider Geschlechter. Kurz: Technik und materielle Arbeitsbedingungen sind ein wichtiger Treiber für eine gleichberechtigte Lebensweise der Geschlechter. Arbeitsorganisationen werden so zu nötigen Anpassungen gezwungen.

Vor dem Hintergrund einer weiteren rasanten technologischen Entwicklung, Stichwort Industrie 4.0: Die Verschmelzung von Mensch und Maschine in der Produktion -beschleunigt und vermittelt durch die Informations- und Kommunikationstechnologien - wird einen weiteren Schub mit Blick auf veränderte Arbeitsbedingungen nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie auslösen. Ausgewählte Stichworte dazu: Home-Office, Vertrauensarbeitszeit und Neudefinition des bisherigen Vertrags: Arbeit ist nicht mehr nur gleich Lohn gegen Zeit. Auf der politischen Ebene besteht vor dem Hintergrund der Masseneinwanderungsinitiative Handlungsbedarf alle inländischen Arbeitskräfte zu mobilisieren, damit die Konkurrenz- und Innovationsfähigkeit des Landes vor dem Hintergrund der beschleunigten globalen Märkte gesteigert werden kann.

Gefragt sind damit künftig Arbeitsorganisationen, die die genannten Entwicklungen auffangen können. Vor dieser Herausforderung stehen sowohl private wie öffentliche Arbeitgeber. Offen bleibt die Frage, ob öffentliche Verwaltungen, weil sie nicht konkursfähig sind und mit Steuergeldern finanziert werden, mehr Gestaltungsspielraum haben, Vereinbarkeitskonzepte einzuführen bzw. umzusetzen. Fakt ist aber, dass sich künftig sowohl private wie öffentliche Unternehmen einer neuen Generation von Arbeitnehmenden gegenübersehen, die als Lebensgestaltungskonzept Arbeit und Familie als gleichwertig ansehen. Modellhaft für eine solche künftige Organisation steht das Hochbaudepartement der Stadt Zürich. Dieses zeichnet sich durch eine äusserst gute und gepflegte Betriebskultur, getragen vom Respekt gegenüber Personen beider Geschlechter, die Erziehungsaufgaben wahrnehmen, aus. Klare Rahmenbedingungen mit Blick auf flexible Arbeitszeiten, Gleitzeitguthaben, Teilzeitarbeit und Jobsharing auch auf Führungsebene sind entscheidende Elemente des Hochbauamts, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen. Dazu kommen die weiteren Elemente flexible Gestaltung von Urlauben, Anpassung der Arbeitszeiten an die aktuelle Lebensphase, Angehörigenpflege und - last but not least – über das Minimum hinausgehende Massnahmen mit Blick auf die Kinderbetreuung.

Das Departementssekretariat hat seinen Spielraum hinsichtlich der auf die organisatorischen Gestaltung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf vollumfänglich und zukunftsweisen ausgenutzt und damit den Prix BalanceZH wohlverdient. Herzliche Gratulation!

Janette Jetter und Stadtrat André Odermatt vom Hochbaudepartement der Stadt Zürich.
Janette Jetter und Stadtrat André Odermatt vom Hochbaudepartement der Stadt Zürich.

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