Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Kantons Zürich

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Preisträger des Prix Balance ZH d’honneur 2014

 

Laudatio von Martina Monti, stellvertretende Chefredaktorin der Annabelle:

Kommen wir zum zweiten Preisträger des Prix Balance d’honneur 2014. Einem, an dem Heraklit von Ephesos seine helle Freude gehabt hätte: den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst des Kantons Zürich, KJPD.

Wie alle Philosophen bemühte sich auch der alte Grieche, Einsicht in die Weltordnung zu gewinnen und kam dabei vor ca. 2515 Jahren zu einem Fazit, das heute zutreffender ist denn je: „Die einzige Konstante ist der Wandel“ oder auch „Pantha Rei“, alles fliesst. Eine zunächst harmlos wirkende Erkenntnis. Sie stellt aber für jedes Unternehmen eine Herausforderung dar, das seinen Erfolg als Arbeitgeber darin sieht, die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig an Bord zu haben. Die Antwort des KJPD auf diese Herausforderung: Flexible Flexibiliät.

Aktuell sind 75,75 Prozent der KJPD-Mitarbeitenden weiblich. Weibliche Biografien sind per se Lebensläufe des Wandels. Besonders, was die erste Hälfte betrifft, in denen Kinder die Hauptrolle übernehmen können. Will ein Unternehmen das Know-How und die Erfahrungsexpertise einer werdenden Mutter nicht verlieren, muss es Arbeitsmodelle bieten, die ihrer neuen Lebenssituation entsprechen. Wie die KJPD mit insgesamt bis zu eineinhalb Jahren Elternzeit, die individuell aufgeteilt werden kann. Mit der Möglichkeit, die Leistungen des Familienservice in Anspruch zu nehmen. Oder in Form von Unterstützungsbeiträgen für die Kinderbetreuung. Mit flexiblen Arbeitspensen und Arbeitszeiten ohne Blockzeiten. Und mit Homeoffice. Für die Qualität dieses Angebots gibt es ein unbestechliches Messkriterium: die Quote der Rückkehrerinnen. Und die spricht beim KJPD für sich: Im Jahr 2013 sind von 16 Schwangeren 13 Mütter wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Übrigens besonders bemerkenswert, wie ich finde: Eine bestehende Schwangerschaft ist kein Grund für die Disqualifikation einer Bewerberin.

Aber auch alle weiteren Kapitel der weiblichen Biografie sind von Sollbruchstellen geprägt, die eine neue Austarierung der Balance zwischen privatem und beruflichem Leben erfordern. Wenn die Kinder erwachsen werden und aus dem Haus gehen beispielsweise, dadurch Kapazität entsteht, mehr arbeiten zu können und zu wollen. Oder auch weniger, weil plötzlich neue Visionen entstehen, das Bedürfnis Neues zu lernen, sich weiterzubilden. Oder aber ein Mitglied der Familie benötigt mehr Aufmerksamkeit und Begleitung auf einem schwierigen oder dem letzten Weg. Auch auf die mit diesen Veränderungen einhergehenden Fragen hat der KJPD Antworten. In Form von Teilzeitarbeit, bezahlten Weiterbildungstagen, auch kurzfristig nach oben oder unten anpassbaren Pensen, Jobsharing, flexiblen Pensionierungsmodellen. Und zu alledem existiert die Bereitschaft, jeden Fall für sich zu betrachten und für individuelle Bedürfnisse individuelle Lösungen zu finden. Wovon selbstverständlich auch die männlichen Angestellten profitieren.

Nun hat es der gemeine Unternehmer ja weniger mit der Philosophie als mit der Betriebswirtschaft. Und diese Sichtweise der Weltordnung übersetzt die Massnahmen zur Vereinbarkeit, die der KJPD bietet, erst einmal mit: Achtung! Administrativer Mehraufwand. Sprich: Kosten. Wer aber genügend Weitsicht mitbringt, um von einem Excel-Sheet auf das nächste zu blicken, wird Erstaunliches feststellen: eine familienfreundliche Unternehmenskultur ist eine Investition mit einem hohen Return on Investment. In einer Kosten-Nutzen-Analyse errechnete die Prognos 2005 eine Rendite von acht Prozent.

Als Spitaldirektor Marcel Brenn sein Amt 2001 antrat und die Vereinbarkeit zu einem seiner Leitmotive erklärte, existierte diese Berechnung noch nicht. Vielleicht basieren Weitsicht und Fortschritt doch weniger auf ausgeklügelten Excel-Berechnungen als immer noch  mehrheitlich auf gesundem Menschenverstand und dem Willen zur Veränderung. Und zu beidem gratuliere ich dem KJPD.

Meine Damen und Herren, Sie werden vielleicht bemerkt haben, dass es Befürchtungen gibt, die mich begeistern. Und tatsächlich wünsche ich mir sehr, dass das Beispiel der Swiss Re und des KJPD Schule macht. Und dass wir als Frauenzeitschrift die Forderung nach familien- und lebensfreundlichen Arbeitsmodellen endgültig von unserer Themenliste streichen können. Weil die Arbeitgeber begriffen haben, dass diese Modelle für den unternehmerischen Erfolg mitentscheidend sind.

Gabriele Pfeifer und Marcel Brenn vom Kinder- und Jugendspsychiatrischen Dienst.
Gabriele Pfeifer und Marcel Brenn vom Kinder- und Jugendspsychiatrischen Dienst.

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